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Chronischer Durchfall
PRAXIS. Chronischer Durchfall ist ein häufiges Krankheitsbild in der Praxis des Hausarztes oder des Internisten. Man spricht von Durchfall bei mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag und bezeichnet ihn als chronisch, wenn er länger als 14 Tage besteht. Häufig geht er mit einer Reihe weiterer Symptome einher.

Dr. med. Markus Lambertz, Facharzt für Innere Medizin/ Gastroenterologe am Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen.
So bestehen oft Übelkeit oder Brechreiz, Bauchschmerzen, Blähungen, Aufstoßen oder Völlegefühl. Alarmierend sind eine Gewichtsabnahme, Blut im Stuhl oder Fieber. Die Auslöser des chronischen Durchfalls (Diarrhoe) sind vielfältig. Sie reichen von harmlosen Ursachen wie Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder Reizdarmsyndrom bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie zum Beispiel dem Morbus Crohn oder Colitis ulzerosa (die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen), Tumoren, Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, chronischen Infektionen, zum Beispiel nach Auslandsaufenthalt oder Durchfällen durch Nervenschädigung der Eingeweide bei langjähriger Zuckerkrankheit (Diabetes). Eine Schilddrüsenüberfunktion oder Entfernung von Darmabschnitten (Kurzdarmsyndrom) können weitere Gründe für länger bestehende Diarrhoen sein.
Eine Erkrankung, die sich in der Vergangenheit klassischerweise durch flüssige oder breiige Stühle bemerkbar machte, ist die Zöliakie (Sprue). Ihr liegt eine Unverträglichkeit gegenüber dem Gluten, einem Eiweiß, das in verschiedenen Getreidesorten, wie zum Beispiel Weizen, Gerste oder Roggen, enthalten ist, zugrunde. Dieses Eiweiß löst eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, welche in der Folge neben Durchfall auch zur Gewichtsabnahme oder Blutarmut führen kann. Andere Organsysteme, wie die Haut, das Nervensystem, Gelenke oder die Leber, können durch die Abwehrreaktion ebenfalls betroffen sein.
Durch eine verbesserte Diagnostik wird die Erkrankung heute frühzeitiger erkannt, sodass das Vollbild vermieden werden kann. Bei Verdacht kann der Arzt eine Blutuntersuchung auf spezielle Antikörper und eine Magenspiegelung mit Gewebeproben aus dem Dünndarm durchführen. Bei Bestätigung der Diagnose ist eine lebenslange glutenfreie Diät erforderlich, mit der die Krankheit sehr gut behandelt werden kann. Dies erfordert vom Patienten Disziplin und die Kenntnis, welche Lebensmittel er zu sich nehmen kann oder meiden muss.
Ganz wesentlich, weil sie sehr häufig vorkommt, ist die Milchzuckerunverträglichkeit, die so genannte Laktoseintoleranz. In Deutschland sind etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Es liegt ein Mangel an Laktase vor, dem Milchzucker spaltenden Enzym. Der Milchzucker kann nicht verarbeitet werden und verursacht durch bakteriellen Abbau im Darm neben Durchfall auch Bauchkrämpfe und Blähungen. Die Diagnose ist einfach; neben den Angaben des Patienten steht ein leicht durchzuführender Atemtest (H2-Atemtest) zur Verfügung, wobei der Patient nach Trinken einer Milchzuckerlösung über drei Stunden wiederholt in einen Apparat pusten muss. Die Konzentration an entstehendem Wasserstoff (H2) in Verbindung mit Beschwerden gibt Auskunft über die Diagnose. Die Behandlung besteht im überwiegenden Meiden von Milchprodukten, wobei manche Produkte, wie zum Beispiel Käse oder Joghurt, aufgrund einer bestehenden Restaktivität des Enzyms noch zu sich genommen werden können. Im Handel gibt es zudem mittlerweile zunehmend laktosefreie Milchprodukte zu erwerben.
Ebenfalls ein häufiges Beschwerdebild ist das sogenannte „Reizdarmsyndrom". Ihm liegt ein Symptomenkomplex aus Bauchschmerzen, Blähungen, Stuhlentleerungsstörungen, häufig mit Tendenz zu Durchfall, über auch Verstopfungsneigung, zugrunde. Schätzungsweise zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen.
Die genauen Ursachen hierfür sind noch nicht geklärt, häufig liegen begleitend Depressionen oder Angststörungen vor. Bei den Betroffenen findet sich oft eine veränderte Darmbeweglichkeit (entweder erhöht oder herabgesetzt) und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes.
Diskutiert wird, ob ein vorausgegangener Magen-Darm-Infekt Auslöser für ein Reizdarmsyndrom sein kann. Wesentlich für den Arzt ist vor endgültiger Festlegung auf diese Diagnose der Ausschluss anderer, schwerwiegender Erkrankungen. Insbesondere Gewichtsabnahme oder Blut im Stuhl deuten auf andere Ursachen hin und müssen weiter abgeklärt werden. Die Behandlung ist symptomorientiert und umfasst neben Allgemeinmaßnahmen, wie zum Beispiel der Minderung von Stressfaktoren im Lebensstil, der Änderung von Ernährungsgewohnheiten auch die Gabe von Medikamenten. Ballaststoffe wie Flohsamenschalen, können sowohl bei Durchfall als auch Verstopfungsneigung eingesetzt werden, Schmerzmittel, pflanzliche Pharmaka, aber auch Antidepressiva haben ihre Wirksamkeit bewiesen. Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.
Quelle: Recklinghäuser Zeitung

