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Mittwoch, 08.11.2006

Hospize bleiben Bürger-Initiativen

FESTPROGRAMM: Einrichtung an der Röntgenstraße feiert ihren 20. Geburtstag / Hape Kerkeling liest aus seinem Pilgerbuch

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Zwar plant er Gesetzgeber derzeit, den Anspruch Schwerstkranker auf Sterbebegleitung juristisch zu verankern, doch ob dies wirklich so wünschenswert ist, bezweifeln zumindest die Verantwortlichen des Recklinghäuser Hospizes an der Röntgenstraße.

Die Süder Einrichtung, die älteste ihrer Art in Deutschland, feiert in diesen Tagen ihren 20. Geburtstag. Und zwar genau deshalb „weil die Bürger das Hospiz von Beginn an zu ihrem Anliegen gemacht haben”, wie Schatzmeister Norbert Homann immer wieder betont. Und wenn nun der Staat reglementierend eingreift, ergänzt der Vorsitzende des Hospiz-Vereins, Rudolf Kortenjann, besteht die Gefahr, dass ein Teil des Gedankens christlich orientierter Sterbe-Begleitung unter einem Wust bürokratischer Vorschriften verloren gehen könnte. „Auch wenn es mühsam ist, Jahr für Jahr 250000 Euro an Spenden zu sammeln, um die Einrichtung weiter führen zu können. Jeder Euro ist ein Zeichen der "bürgerschaftlichen Solidarität", so Norbert Homann. Dass die wirklich ausgeprägt ist, zeigt ein Blick auf die verschiedenen Aktionen, die anlässlich des runden Geburtstages geplant sind. Allen voran hat nämlich Hape Kerkeling, einer der bekanntesten Recklinghäuser, zugesagt, im Januar das Hospiz mit einer Lesung aus seinem Pilger-Buch „ich bin dann mal weg”, zu unterstützen. Und viele andere, meist ehrenamtlich und im Verborgenen: tätige Helfer, werden ebenfalls dafür sorgen, dass der Reigen an Benefiz-Konzerten, Straßenfesten, Ausstellungen und Tagungen rund um das Hospiz in den kommenden zwölf Monaten nicht abreißt.
Den Auftakt macht dabei eine hochkarätig besetzte Podiums-Veranstaltung,  die am kommenden Freitag, 10. November, um 19.30 Uhr in den Räumen der Sparkasse Vest am Königswall beginnen wird. „Einfach sterben”  lautet hier das Thema,  zu dem sich Gerda Graf von der Hospiz-Bundesarbeitsgemeinschaft, der Palliativ Care-Experte Prof. Andreas heller aus Wien, Prof. Dr. Karin Wilkening aus Braunschweig und Norbert Homann fachkundig äußern werden. Veranstaltung steht allen Interessenten offen. Wir hoffen deshalb, dass sich möglichst viele Bürger mit uns über das Thema unterhalten wollen”, so Norbert Homann, der als „Mann der ersten Stunde” die Geschicke des Hospizes von der Gründung bis heute entscheidend mit beeinflusst hat. Und der Wandel, der sich an der Röntgenstraße in den zwei Jahrzehnten vollzogen hat, ist schon beachtlich. 

Zwar blieb die Zahl der Betten mit zwölf nahezu konstant, doch die Dienstleistungen rund um das Haus haben sich erheblich vergrößert. Entscheidend war in diesem Zusammenhang die Gründung einer Pflege-Gruppe, die Palliativ-Care-Patienten. (unheilbar Kranke, die zumeist auch unter starken Schmerzen leiden) in ihrer vertrauten Umgebung betreut. „Es ist ein vorrangiges Ziel des Dienstes, Familien. in die Lage zu versetzen, ihren Angehörigen ein Sterben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen”, beschreibt Norbert Homann den uralten christlichen Gedanken, der in unserer modernen Zeit fast verschwunden war. Doch dem Süder Hospiz, der Keimzelle einer Bewegung, die sich inzwischen weltweit etabliert hat, ist es zu verdanken, dass hier eine gute Tradition wieder ein Stück weit an Boden gewinnt.