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Die beste Entscheidung
Vor acht Jahren ist Gerda Kampert freiwillig gegangen. Verließ das Haus an der Forellstraße, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hatte. Machte Platz für junges Leben - den Neffen mit seinen drei Kindern.
Heute sitzt die 83-Jährige im Gruppenraum des vom Elisabethkrankenhauses getragenen „Service Wohnen" an der Weißenburgstraße. Trinkt Kaffee. Flachst mit ihrer Sitznachbarin. Gerda Kampert grinst. „Es war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe."
Als eine der ersten Bewohnerinnen bezog die Süderin am 16. September 2008 ihr geräumiges 70-m2-Quartier im betreuten Wohnen. Das Datum hat sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Die Möbel konnte Gerda Kampert selbst mitbringen. Nur die Einbauküche war schon da. An der weißen Raufasertapete hängen die schwarz-weißen Erinnerungen aus vergangenen Jahrzehnten. Ehemann Ernst. Bruder Herbert. Beide sind längst tot. Gerda Kampert ist noch da. Nicht im Altenheim. Darauf legt sie Wert. „Hier bin ich viel freier und kann fast alles selbst entscheiden", sagt Gerda Kampert.
40 alten- und rollstuhlgerechte Wohnungen bieten die beiden kernsanierten Häuser an der Weißenburgstraße 1 und 2 (ehemals Möbel Bußmann). Im Gruppenraum treffen bei Kaffee und Keksen bewegte Biographien aufeinander. Für die meisten war es der wohl letzte Umzug im Laufe eines langen Lebens.
Hans Dittmer ist einer der wenigen Männer in der Runde. Im Februar 2003 zog er mit seiner Frau Josephine eine der Wohnungen. In Herten wohnten die Dittmars auf zwei Etagen. Die 14 Stufen bis ins Schlafzimmer wurden irgendwann zu viel für Josephine Dittmar. Sie litt an Parkinson. Ein Jahr nach dem Einzug in die betreute Süder Wohnung starb sie. Jetzt wohnt Hans Dittmar alleine auf 74 m2 und denkt an die Stationen seines Lebens: Krieg, russische Gefangenschaft, 1949 die Rückkehr in die Heimat, zwei Jahre später die Hochzeit mit Josephine, dann die Jahrzehnte zwischen Beruf, Kindern und Eheleben - am Kaffeetisch in wenigen Sätzen zusammengefasst wie der letzte Wochenendausflug. Die Bewohner der betreuten Häuser bleiben mobil. Manche sogar automobil. Anni Münch besitzt einen fast zwei Jahrzehnte alten Renault 19. Tiefer gelegt. Mit Spoiler. Nur die Alufelgen hat die Seniorin jetzt gegen Stahlfelgen getauscht. „Dadurch federt der Wagen weicher", meint sie.
„Die Menschen möchten möglichst lange eigenständig bleiben", sagt Krankenhaussprecher Zeki Demirci. „Bei uns haben sie die Möglichkeit dazu." Wer nicht mehr zurechtkommt, kann ins 100 Meter entfernt gelegene Seniorenheim „Haus Reginalda" wechseln. Das hat Gerda Kampert nicht vor.
