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Im Kampf mit den Fallmanagern
Bürokratie im Krankenhaus hat sich in den letzten 30 Jahren verzehnfacht.
Das Elisabeth-Krankenhaus in Süd muss bis Ende 2008 eine Durststrecke überwinden.
Bürokratie im Krankenhaus hat sich in den letzten 30 Jahren verzehnfacht. Das Elisabeth-Krankenhaus in Süd muss bis Ende 2008 eine Durststrecke überwinden.
Verweildauer mit tagesgleichem Pflegesatz, das war früher. Da konnte ein Krankenhaus seine Kosten auf Tage in Liegezeit um- und abrechnen; da blieb ein Patient schon mal etwas länger - es wurde ja erstattet. Heute zahlen die Krankenkassen Diagnose bezogene Fallpauschalen, auch wenn sich leicht erschließt, dass jeder Fall ein Einzelfall ist, der ganz anders liegen kann als andere. Und die Krankenhäuser müssen oft genug um die Erstattung streiten. Nicht selten vor Gericht.
Im Gespräch mit der WAZ erläutert Norbert Homann, Geschäftsführer des Elisabeth-Krankenhauses in Süd, wie das System funktioniert. Grundlage für die Abrechnung ist ein Katalog mit 900 Fallpauschalen, für jede denkbare Diagnose ist dort ein Faktor festgelegt. Dieser Faktor wird mit der individuellen Baserate des Krankenhauses multipliziert. Diese Baserate ist der Wert für die Wirtschaftlichkeit des Hauses.
Man ahnt, dass sich hinter diesem Verfahren viel Bürokratie verbirgt. Der behandelnde Arzt stellt fest, welcher Fall vorliegt. Aber wir müssen das prüfen. Wir beschäftigen eine Ärztin, die jeden einzelnen Fall unserer 10 000 Patienten im Jahr kontrolliert. Denn bei den 700 Krankenkassen, mit denen wir abrechnen, sitzen 700 Fallmanager, denen es vor allem darum geht, Kosten zu drücken, erklärt Homann. In jedem fünften Fall komme die Kasse zu einem abweichenden Urteil, bei etwa fünf Prozent müsse am Ende das Sozialgericht entscheiden. Dort gewinnen wir immerhin zu 90 Prozent, lächelt Homann.
Infolge von Fallpauschalen, Behandlungs- und Pflegedokumentation, Gesetzesänderungen habe sich die Bürokratie in den letzten 30 Jahren gut und gerne verzehnfacht, ohne dass das Verwaltungspersonal entsprechend mitgewachsen wäre. Und seit 1992 gilt die Budgetdeckelung, die uns allenfalls die allgemeine Preissteigerung in Form höherer Erstattungen zugesteht, alles, was darüber hinausgeht, müssen wir durch Rationalisierung und Einsparungen wett machen, sagt Norbert Homann.Sein Krankenhaus, das inzwischen zum Verbund der St. Franzikus-Stiftung Münster gehört, sei da schon recht weit. Für das Elisabeth-Krankenhaus gilt eine Baserate von 2500, der Landesdurchschnitt liegt bei 2750. Dieser niedrige Wert, der andererseits für hohe Wirtschaftlichkeit steht, hat aktuell die nachteilige Auswirkung, dass das Süder Hospital eine Durststrecke zu überstehen hat. Wir sind als eines der ersten Häuser freiwillig und vollständig auf die Fallpauschalen umgestiegen. Bis einschließlich 2008 gilt jedoch eine Übergangszeit mit unterschiedlichen Baserates, erst danach ein einheitlicher Satz. Mit unserem niedrigen Satz erhalten wir aber zurzeit besonders niedrige Erstattungen, erklärt Homann. Dies sei der Hintergrund für die schmerzliche Entscheidung, dass alle 560 Mitarbeiter Verdiensteinbußen von 5,6 Prozent - die WAZ berichtete - hinnehmen müssen. Aber das ist eine vorübergehende Maßnahme. 2009 sind wir aus dem Tal heraus.
Bei aller Kritik im Detail: Norbert Homann hält das Abrechnungsprinzip für grundsätzlich richtig. Aber es gebe im Wettbewerb auch der Krankenhäuser untereinander nur einen Weg in die Zukunft: Spezialisierung, Schwerpunktbildung, bessere Kooperation untereinander und engere Netzwerke zwischen ambulanter und stationärer Medizin. Wir haben eine Versorgung auf hohem Niveau, die gilt es zu erhalten. Die dabei entstehenden Kosten müssen getragen werden.
Dazu sei allerdings die Abkoppelung vom Faktor Arbeit notwendig. Wenn immer mehr Menschen immer älter werden, aber immer weniger einen Arbeitsplatz haben, gehe es überhaupt nicht anders, versichert Norbert Homann.
Quelle: WAZ
