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Freitag, 09.11.2007

Jede Minute zählt

Krankenhäuser und Kreisgesundheitsamt bieten in der Aktionswoche zahlreiche Info-Veranstaltungen an, die vor allem beim Erkennen der Warnzeichen helfen sollen. Schnelle, gute Hilfe entscheidet bei einem Infarkt über Leben und Tod

HERZWOCHE SCHWERPUNKT HERZINFARKT Vest. Über die Hintergründe der laufenden Herzwoche sprach WAZ-Redakteurin Sibylle Raudies mit Dr. Rudolf Sack, Chefarzt der Kardiologie im Recklinghäuser Elisabeth Krankenhaus.

Bei der Herzwoche 2007 geht es vor allem um rechtzeitiges Erkennen eines sich anbahnenden Herzinfarktes. Warum?

Dr. Sack: Weil es lebenswichtig ist, dass Patienten bei den ersten Symptomen sofort reagieren. Die Gefährlichkeit eines Herzinfarktes sieht man daran, dass rund 30 Prozent aller Herzinfarktpatienten vor Erreichen des Kankenhauses versterben. Bei einem Herzinfarkt können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Infarkte kommen oft ohne Ankündigung. Wir hören oft: Gestern war noch alles gut und heute morgen hatte ich plötzlich diese rasenden Schmerzen. Da zählt jede Minute.

Wie viele tödliche Herzinfarkte könnten vermieden werden, wenn Patienten sofort Hilfe bekommen hätten?

Dr. Sack: Schwer zu sagen. Man muss davon ausgehen, dass 10 bis 20 Prozent der Infarktpatienten auch bei optimaler Therapie versterben.

Welches sind die Hauptwarnzeichen für einen beginnenden Infarkt?

Dr. Sack: Ein Druck auf dem Brustkorb, als säße ein 'Elefant' darauf. Aber es gibt auch Fälle, in denen nur ein leichter Brustschmerz bzw. Brustdruck besteht. Das kann sehr unterschiedlich sein. Aber oft sind beim Infarkt Schweißausbrüche dabei, manchmal auch Druck auf dem Oberbauch, Übelkeit, meist Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen. Nicht selten gibt es solche Symptome auch in den Tagen vor dem Infarkt in schwacher Form, als Warnzeichen, das leider oft nicht erkannt wird.

Hat sich das Herzinfarktrisiko in letzter Zeit erhöht?

Dr. Sack: Die Zahl der Herzinfarkte ist dank verbesserter diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen rückläufig. Besonders profitieren Patienten, die bei einem Herzinfarkt eine schnelle und optimale Therapie erhalten. Hier steht heute die sofortige Herzkatheteruntersuchung mit Ballondilatation und Einsetzen einer Gefäßstütze, einem Stent, ganz im Vordergrund. Dies setzt voraus, dass die Patienten in ein Krankenhaus mit diesen Möglichkeiten direkt aufgenommen werden.

Was sind die Hauptrisikofaktoren?

Dr. Sack: Rauchen! Dagegen kommt keine Maßnahme an, auch Stents nicht. Dann trifft es eine andere Stelle des Gefäßes. Riskofaktoren sind auch hohe Blutfettwerte, Zucker und Übergewicht. Mit unseren dicken Kindern kommt Einiges an Risikofällen auf uns zu.

Wie wichtig ist Sport?

Dr. Sack: Regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig. Am besten täglich 30 Minuten stramm spazieren als Vorbeugung.

Sind es mehr Männer, die einen Infarkt erleiden?

Dr. Sack: Ja, aber die Frauen holen auf.

Gibt es entscheidende Behandlungsfortschritte bei Herzerkrankungen?

Dr. Sack: Ja. Herzkatheter und Ballondilatationen mit Stentimplantationen sind heute echte Routineeingriffe, jedenfalls bei gut eingespielt arbeitenden Herzkatheterteams wie in unserem Haus. Die medikamentöse Nachbehandlung ist viel besser geworden.

Welche Untersuchungen und Therapien führen Sie durch?

Dr. Sack: Herzkatheter machen wir rund um die Uhr, sonst macht Notfallbehandlung keinen Sinn. Wir gehen über die Arterie am Handgelenk mit dem Katheter rein, das bringt weniger Blutungskomplikationen. Wir werden in einem Notfall vom Notarzt vorinformiert, damit alles beim Eintreffen des Patienten vorbereitet ist. Herzschrittmacher und Defibrillatoren implantieren wir auch als Routineeingriff. Bei Schrittmachern sind es über 130 im Jahr. Bypass-Operationen überweisen wir an ein Herzzentrum.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig?

Dr. Sack: Für Vorsorgeuntersuchungen ist der Hausarzt der beste Ansprechpartner.

Quelle: WAZ