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Donnerstag, 24.07.2008

"Die Zitrone ist fast ausgepresst"

Landtagsabgeordneter Rudolf Henke (CDU): Harter Wettbewerb der Kliniken kann nur zu Lasten der Patienten gehen

Rudolf Henke

„Im Moment geht's noch, aber wie geht es weiter?" Ulrike Much, Ärztin und Verwaltungsleiterin des Elisabeth-Krankenhauses in RE-Süd, kennt ihre Zahlen und weiß, dass auch ihre 16 Kollegen in den übrigen Hospitälern im Kreis ihre Mühe haben, das Gesundheitsangebot langfristig aufrecht zu erhalten. Denn die Krankenhäuser brauchen mehr als eine schwarze Null, um über die Runden zu kommen. Und diese schwarze Null ist gefährdet, wenn Ende 2008 die auf fünf Jahre angelegte Anpassungsphase der Fallpauschalen-Abrechnung ausläuft. Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht in Sicht.

Für die Kliniken bedeute dies harten Wettbewerb, der nur zu Lasten der Patienten gehen könne, erläuterte Rudolf Henke, CDU-Landtagsabgeordneter und Gesundheitspolitischer Experte, jüngst bei einem Treffen mit Geschäftsführern und Verwaltungsleitern der Krankenhäuser mit Vertreten der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). „Nach einer Studie des Essener RWI würde dann jedes zweite Krankenhaus rote Zahlen schreiben. Und bei 30 Prozent der Kliniken ist sich das RWI sicher, dass sie Probleme bekommen würden, Investitionen und Sanierungen über Kredite zu finanzieren", umreißt Henke die Lage.

Wirtschaftlich arbeiteten die 17 Kliniken; Die Betten seien wochentags durchschnittlich zu 95 Prozent ausgelastet, Fusionen und Kooperationen hätten ein Übriges dazu beigetragen, um Einspareffekte zu erzielen, erläuterte Norbert Köster, Verwaltungsleiter des Hertener Elisabeth-Krankenhauses. Die Zahl der Betten sei gesunken, die Zahl der Patienten gestiegen.

Auf der zweiten Ebene, also im Hintergrundbereich der Kliniken (Verwaltung, Logistik und Organisation), sei bereits vieles erreicht worden. „Aber die Zitrone ist hier fast ausgepresst", sagte Norbert Fockenberg, Verwaltungsleiter des Elisabeth-Krankenhauses in Dorsten.

Im ersten Bereich, also bei der ärztlichen und pflegerischen Versorgung, habe man es bisher jedoch weitgehend vermieden, Kosten einzusparen. Allerdings seien seit der Deckelung der Krankenhaus-Budgets 1993 rund 100 000 Stellen in den Krankenhäusern gestrichen worden, erinnerte Henke, der eine bundesweite Gleichbehandlung der Kliniken bei der Höhe des sogenannten Basisfallwerts einfordert: „Eine Klinik in Rhein-land'Pfalz erhält immer noch 250 Euro mehr pro Basisfallwertpunkt als eine vergleichbare Klinik in NRW. Bei rund 10 000 Punkten, die ein durchschnittliches Krankenhaus pro Jahr erwirtschaftet, sind das 2,5 Millionen Euro mehr. Damit kann die Klinik in Rheinland-Pfalz 50 Mitarbeiter mehr beschäftigen als die in NRW."

Quelle: WAZ