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Sonntag, 27.02.2005

Medizin im Alter wird wichtiger

Die zunehmende Überalterung setzt nicht nur in der Politik ein Umdenken in Gang, sie stellt auch die Medizin aktuell vor neue Herausforderungen. Das wurde beim Experten-Forum "Aktuelle Neurologie und Neurogeriatrie" deutlich, das am Samstag 200 Mediziner in das Ruhrfestspielhaus lockte...

Dresdener Mediziner Prof. Dr. Rüdiger von Kummer war einer der Referenten beim hochkarätig besetzten Neurologie-Forum

Dr. Thomas Günnewig

Die zunehmende Überalterung setzt nicht nur in der Politik ein Umdenken in Gang, sie stellt auch die Medizin aktuell vor neue Herausforderungen. Das wurde beim Experten-Forum "Aktuelle Neurologie und Neurogeriatrie" deutlich, das am Samstag 200 Mediziner in das Ruhrfestspielhaus lockte. Zum fünften Mal hatte Dr. Thomas Günnewig, Chefarzt der Abteilung Geriatrie und Neurologie am Süder Elisabeth-Krankenhaus, Kollegen aus der gesamten Republik eingeladen. Die Vorträge der Mediziner deckten ein Spektrum von Therapiestrategien bei Parkinson bis hin zur Möglichkeit neurochirurgischer Operationen bei älteren Patienten ab. "In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel getan. Die Behandlungen sind wesentlich differenzierter und besser verträglich geworden. Außerdem haben wir wesentlich gesichertere Erkenntnisse darüber, was zu welchem Zeitpunt zu tun ist. Dennoch fehlen uns vor allem Studien im Alter, zum Beispiel zur Wirksamkeit von Medikamenten", erklärte Günnewig. Er verwies darauf, dass die Zahl der älteren Menschen gerade im Ruhrgebiet höher sei als in anderen Regionen.

Ärzteschaft muss individuell beraten

Günnewigs Vortrag zu "ethischen und rechtlichen Therapieaspekten in der Neurogeriatrie" stieß auf besonderes Interesse der Forum-Teilnehmer. Gerade wegen einer sich bald ändernden Gesetzeslage geht Günnewig davon aus, dass die Zahl der Patientenverfügungen in Zukunft stark zunehmen wird. Die Ärzteschaft sei angesichts der heiklen Diskussion um Sterbehilfe gefordert, insbesondere für chronisch kranke und alte Menschen eine individuell auf den Einzelnen zugeschnittene Beratung in der Erstellung einer Patientenverfügung anzubieten. Erfahrungen zeigten im konkreten Einzelfall, dass basierend auf einer Patientenverfügung die in Notsituationen emotional gefärbten Wünsche, Erwartungen und Ängste der Angehörigen (die im Ernstfall die Funktion des Betreuers oder Bevollmächtigten wahrnehmen) nicht immer durch den Notarzt oder den aufnehmenden Bereitschaftsarzt im Krankenhaus patienten- und situationsgerecht gelöst werden können. Günnewig startet bereits im nächsten Monat mit der konzeptionellen Vorbereitung für die sechste Auflage des Forums im nächsten Jahr. Bis er 4 000 Einladungen verschickt, wird es jedoch noch ein wenig dauern. Mühe, den Saal Kassiopeia zu füllen, hat der Süder Chefarzt nicht: "Die Kollegen kommen gern nach Recklinghausen. Das Ruhrfestspielhaus bietet ein sehr ansprechendes Ambiente, die Stadt ist sowohl mit dem Auto als auch der Bahn gut zu erreichen."

Quelle: Recklinghäuser Zeitung