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Hape Kerkeling: Ein nachdenklicher Humorist
Alle Stühle sind besetzt. Es sind sehr unterschiedliche Stühle. Offensichtlich wurde an Sitzgelegenheiten alles zusammengetragen, was überhaupt da ist. Doch die Möbel reichen nicht, so groß ist das Interesse an Hape Kerkeling, an seinen Pilgererfahrungen. Noch mehr Zuhörer lehnen an den Wänden, und auf den Stufen der Wendeltreppe thronen einige Besucher über Kerkelings Kopf, sozusagen in der Loge.
Auch für den erfahrenen Medienprofi war es am Montag Abend ein ungewohnter Ort, aus seinem Buch "Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg" zu lesen, obwohl er seit dessen Erscheinen Gegenstand der unterschiedlichsten Berichterstattungen ist und Dauerngast in TV-Sendungen zu sein scheint. Denn der Schauplatz seines Vortrags war das Hospiz zum heiligen Franziskus im Süden seiner Heimatstadt. Hier leben Menschen, die schwersterkrankt sind, verbringen dieletzte Zeit, die ihnen verbleibt. Norbert Homann, Mitglied des Fördervereins, erklärt: "Das Hospiz wurde vor über 20 Jahren gegründet. Seitdem sind in Deutschland über 100 Hospize entstanden. Der Ursprung ist hier." Dass weiß natürlich auch der gebürtige Recklinghäuser Hape Kerkeling, der es trotz seiner Verpflichtungen und seines Status als Star tatsächlich geschafft hat, ein Versprechen einzulösen: im Hospiz zu lesen. Den Kontakt hatte Helmut Meyer (62) hergestellt, einer der Ehrenamtlichen, die fürs Hospiz schwerkranke Menschen betreuen. Der Frührenter: "Von dem Komiker Kerkeling weiß ich wenig. Ich gucke solche Sendungen nicht. Aber das Buch hatte mich beeindruckt. Ich schickte ihm im Mai 2006 eine Email, lud ihn ein." Damals ging das noch, so mal eben nachfragen. Seitdem Kerkeling zum Opfer der Boulevardmedien wurde, ist er nicht nur persönlich, sondern sogar auf seiner Homepage "zugeknöpft". Helmut Meyer hielt mit Kerkeling kontakt. Der sagte ihm telefonisch eine Lesung im Hospiz zu. Der erste Termin im April scheiterte, weil der Gast erkrankt war.
Ende Oktober. Nun ist es soweit. Hape Kerkeling reagiert auch auf spontane Zurufe, lässt sich gerne unterbrechen, obwohl die meisten meistens gebannt zuhören. "würden Sie heute dieses Buch noch einmal veröffentlichen?" will eine Zuhörerin wissen. Kerkeling nach kurzem Zögern: "Nein. Weil das Buch so überaus erfolgreich ist. Dieser Erfolg, mit dem nicht zu rechnen war, bedeutet auch eine Verantwortung. Nein, ich würde es heute son nicht mehr veröffentlichen."
Doch das Werk ist in der Welt, hat Wirkung. Kerkeling nimmt das Publikum mit. Er schildert die Anstrengungen, erzählt von menschlichen Begegnungen. Bringt sein Publikum - natürlich - zum Lachen, wie mit der Story über eine rassige Brasilianerin, die ihm nachstellt, "obwohl ich doch eindeutig vergeben war"
Zwie Schwedinnen hatten sich an ihn gehängt. Auf die Frage, was er für sich gelernt habe: "Das ich auch andere Sachen brauche als Arbeit. Deshalb nehme ich mir ein Jahr Auszeit." Als "ein witziges und gescheites Buch" hat Christine Westermann das Werk gewürdigt, "so wie Hape Kerkeling eben". Dem kann man sich anschließen.
