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Detektiv und Sicherheitschef
Wer glaubt, beim Briefmarken sammeln gehe es nur darum, die bunten Versandbildchen der Reihe nach in ein Sammelbuch einzuordnen, hat sicherlich noch keine Bekanntschaft mit Hans Doussier gemacht. Für ihn bedeutet dieses Hobby viel mehr: Hartnäckige Recherche, sorgfältige Archivarbeit und das Gespür für Zeitgeschichte. Nebenbei ist der 69-Jährige auch der "Sicherheitschef" beim Briefmarkensammler-Verein Recklinghausen.
Wer glaubt, beim Briefmarken sammeln gehe es nur darum, die bunten Versandbildchen der Reihe nach in ein Sammelbuch einzuordnen, hat sicherlich noch keine Bekanntschaft mit Hans Doussier gemacht. Für ihn bedeutet dieses Hobby viel mehr: Hartnäckige Recherche, sorgfältige Archivarbeit und das Gespür für Zeitgeschichte. Nebenbei ist der 69-Jährige auch der "Sicherheitschef" beim Briefmarkensammler-Verein Recklinghausen.
Verkehrte Farbzusammenstellungen, überflüssige Striche und fehlerhafte Buchstaben auf den Briefmarken sind das Metier von Hans Doussier. Ihnen geht er kompromisslos auf den Grund. "Ich bleibe da solange dabei bis ich weiß, was dahinter steckt", beschreibt der Rentner seinen ausgeprägten Ehrgeiz. Da könne es durchaus schon einmal vorkommen, dass der Recklinghäuser ein oder zwei Jahre unerbittlich nach den Hintergründen einer Marke forsche.
Der Merkur mit geflügeltem Helm war so ein verzwickter Fall für den Briefmarken-Detektiv. Ohne Länderbezeichnung standen große Fragezeichen hinter der Herkunft des Versandbildchens. In solchen Fällen durchforstet Hans Doussier in seiner Privatbibliothek stapelweise Michel-Kataloge, die weltweite Nachschlagwerke für Briefmarken sind. Kontakte zu anderen Sammlern (Philatelisten) und speziellen Marken-Prüfern stellen weitere Informationsquellen dar.
In besagtem Fall war es Kommissar Zufall, der die Lösung brachte: Zum Geburtstag bekam der frühere Schweißtechniker ein Buch mit Briefmarken-Vordrucken geschenkt. Auf der letzten Seite entdeckte er schließlich die mysteriöse Marke: In Griechenland wurde sie zwischen 1878 und 1890 auf Briefe und Pakete geklebt.
Seit 1945 ist das Sammeln von Briefmarken und Vignetten die Leidenschaft von Hans Doussier. Spezialisiert auf deutsche Briefmarken und die der Anrainer-Staaten sind es vor allem gegensätzliche Darstellungen von geschichtlichen Ereignissen, die den Philatelisten interessieren. "Zählen tue ich grundsätzlich nicht", antwortet er auf die Frage nach der Anzahl seiner Marken. Es könnten an die 100.000 sein, schätzt er.
Mit konkreten Zahlen hantiert Doussier jedoch in seiner Funktion als Schatzmeister seines Vereins. Als "Sicherheitschef" lässt er zudem die Ausstellungen versichern. "Es kann ja immer mal etwas passieren", so der 69-Jährige. Er schätzt die Werte der Exponante und erkundigt sich nach Feuermeldern, Nachtwachen und Alarmanlagen. Ganz gleich, ob eine teure Sondermarke verschwinden sollte oder jemandem ein Tisch auf den Fuß fällt. Etwaige Schäden sind mit einigen tausend Euro versichert.
Dass Hans Doussier, der im Berufsleben über 20 Jahre der Sicherheitschef in seinem Betrieb war, sein Handwerk versteht, hat sich längst rumgesprochen: Für die nächste große Ausstellung des Bundes Deutscher Philatelisten im April in Castrop-Rauxel wurde er als Fachmann für Versicherungen zu Rate gezogen. Die Pinzette ist das wichtigste Handwerkszeug. Wie viele Briefmarken er genau besitzt, kann Hans Doussier nicht beziffern. Nach seiner Schätzung könnten es annähernd 100 000 sein.
Quelle: WAZ
