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Freitag, 10.03.2006

Prothese passt auf den Millimeter

Im Elisabeth-Krankenhaus werden mit Hilfe des "Ortho-Piloten" künstliche Kniegelenke noch präziser eingesetzt.

Dadurch verlängert sich die Haltbarkeit um mehrere Jahre. Ärzte stellen 120 000-Euro-Neuanschaffung vor.

Seinen Ruf als "Knie-Klinik Nummer eins" im Stadtgebiet will das Elisabeth-Krankenhaus in Süd weiter aufwerten - mittels neuer Technik. Beim "Ortho-Pilot" handelt es sich um ein computergesteuertes Navigationssystem, das den operierenden Ärzten dabei hilft, ein Knie-Implantat präziser als bisher einzupassen. Das verlängert zur Freude der Patienten und Mediziner die Haltbarkeit des künstlichen Gelenks. Und zwar um Jahre. Normalerweise ist der OP-Bereich von der Außenwelt streng abgeschottet. Zutritt hat eigentlich nur das ganz in grüner Schutzkleidung gedresste Personal. Aus Hygienegründen. Diesmal gewähren Dr. Ulrich Schneider, Chefarzt der Unfallchirurgie, sowie Dr. Bernd Ferkmann, seit 17 Jahren Belegarzt im Elisabeth-Krankenhaus, eine Ausnahme. Schließlich gilt es, den "Ortho-Piloten" vorzustellen.

Wichtigster Bestandteil dieser 120 000-Euro-Apparatur ist ein Infrarot-Kamerasystem. Dieses steht in ständiger Verbindung mit Sensoren, die in Ober- und Unterschenkelknochen des Patienten fixiert werden. Auf einem Computer-Bildschirm ist somit stets die genaue Stellung von Knochen und Bändern zu erkennen. Und zwar auf den Millimeter genau. Das macht eine präzisere Anpassung der Gelenkprothese möglich.

 "Bei Operationen nach der herkömmlichen Methode haben die Prothesen um die zehn Jahre gehalten", so Dr. Schneider. "Jetzt streben wir 15 Jahre und mehr an." Versuche in anderen Kliniken der Republik, in denen ein Robotor den Eingriff erledigte, wurden aufgrund der schlechten Resultate verworfen. Der "Ortho-Pilot" stieß hingegen von Beginn an auf breite Akzeptanz in der Ärzteschaft. "Wir haben mit der Anschaffung gewartet, bis sich das System an Universitäts-Kliniken bewährt hatte. Dann haben wir zugeschlagen", erklärt Dr. Ferkmann.

 Seit Anfang Februar kommt es zum Einsatz. Zehn Patienten haben seitdem ihr künstliches Kniegelenk mit Hilfe des Gerätes eingebaut bekommen. Bei 120 der 700 Knieoperationen pro Jahr werden Prothesen implantiert. "Das verbessert die Lebensqualität", so Dr. Schneider. Belastungs- und Ruheschmerzen würden verschwinden. Sogar das Schwimmen, Rad fahren oder leichtes Joggen seien nachher für Operierte wieder möglich.

 Auch die stationäre Verweildauer nach der OP sowie die folgenden Reha-Maßnahmen blieben laut dem Doktoren-Duo dieselben. Beim Einsetzen von künstlichen Hüften wird die neue Technik ebenfalls schon genutzt. Weitere Gelenke sollen folgen.

Quelle: WAZ